Samstag, 25. Oktober 2008
Jagdsaison zu Halloween
Orange ist nicht nur die Schriftfarbe dieses Blogs und die dekorativste Farbe in Amerika im Oktober - Orange hilft dieser Tage auch Leben retten. Es ist schliesslich Jagdsaison seit letztem Wochenende.
Als ich gestern mit meinen Schuelern auf der Grand Mesa (hoechster Tafelberg der Welt - 3.000 m hoch) zu einer kleinen Wanderung aufbrach, trugen einige der Schueler orange Leibchen und Muetzen. Die hatten sie vom Wirt der Mesa Lake Lodge, der bewirtschafteten Berghuette hier oben, bekommen. Als wir ihn nach Wandertipps fuer seine Gegend fragten, erinnerte er uns zunaechst daran, dass Jaeger unterwegs sein koennten, die auf alles schiessen, was sich bewegt. Gerade Wanderer mit gruen-braeunlicher Kleidung koennten leicht mit einem Tier verwechselt werden.
Der Huettenwirt hat moeglicherweise ein wenig uebertrieben, doch sicherheitshalber liefen wir in Orange. Die Wanderung selbst dauerte 2 gemuetliche Stunden und wir fanden schliesslich auch den Verlorenen See ("Lost Lake"), der zugefroren in einer Schlucht aus Felsgestein liegt. Wieder an der Berghuette angekommen, gaben wir unsere Muetzchen und Leibchen wieder ab und bestellten leckere Hamburger und Sandwiches.
Gejagt wird dieser Tage allerorten. Einige meiner Schueler wurden schon am letzten Wochenende auf Jagdausfluege mitgenommen. Christian berichtete voller Ehrfurcht, wie neben ihm aus dem Auto heraus gefeuert wurde.
Am Abend traf ich mich wieder mit den ausgewanderten Deutschen am Stammtisch im Rockslide Inn. Kyle der Finanzberater erschien sichtlich deprimiert. Wieder war ein desastroeser Boersentag zu Ende gegangen. Er fuehlt sich persoenlich betroffen davon, dass er seinen Kunden nicht helfen kann, und kann nachts nicht mehr schlafen.
Trost bereitet ihm "Peggy Sue", ein originaler Cadillac von 1952, mit dem er und seine Frau mich vom Haus der Kesslers abholten und wieder zurueck brachten. Auf dem Rueckweg stoppten wir noch kurz am Haus eines Arbeitskollegen, der gerade sein Haus fuer Halloween extravagant geschmueckt hatte: Riesige spinnen klettern an der Hauswand, leuchtende Haende ragen aus dem Rasen, blubbernde Kessel saeumen den Weg zur Tuer, die eine lebensgrosse Hexe versperrt. Neben der Tuer klettert eine weitere Spinne, von Bewegungsmeldern in Gang gebracht, nach oben. Zwei Nebelmaschinen pusten gruselige Schwaden bis raus auf die Strasse. Schaurige Musik ertoent leise aus den Aussenlautsprechern. Als die junge Familie Keller uns oeffnet, hatten sie sich gerade eine Poltergeist-DVD eingelegt.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Freitag, 24. Oktober 2008
Grosseinkauf
Ich geh ja gern einkaufen. Wirklich. In Leipzig besuche ich meinen Konsum um die Ecke fast taeglich - und schaffe es immer, unter 10 Euro zu bleiben.
Meinen kleinen Konsum gibt's hier natuerlich nicht, dafuer einige gut sortierte und schoen eingerichtete Supermaerkte.
Die Gemueseabteilungen sind nicht zu uebersehen, hier muessen alle Amerikaner durch, auch wenn sie sich nur ein Fertiggericht oder eine Tiefkuehlmahlzeit aus den vielen Kuehlschraenken ziehen wollen. Die stehen dort reihenweise, wo man bei uns eher die alkoholischen Getraenke platziert. Ansonsten gibt es alles - und vor allem viel davon. Jedes Behaeltnis ist mindestens doppelt so gross wie in Europa. Kleine Tetrapacks und Literflaschen sind was fuer Weicheier. Americans like it BIG! Oder eben anders: Yoghurtbecher stehen falsch rum - sie werden nach unten breit. Und 'Bio' heisst hier 'Organic'.
Doch bei allem Uebermass und -fluss sei nochmal gesagt:
Es gibt keinen Quark und Pflaumenmus!
Gestern war ich erstmals in einem Alkoholgeschaeft - einem Liquor Store. Auch hier gibt's alles - und Wein in 2-Liter-Flaschen. Die Preise liegen aber deutlich ueber unseren. Einen erschwinglichen 3-Euro-Rotwein fuer zwischendurch findest Du hier nicht. Dafuer aber Biere aus aller Welt! Ich fand sogar Bier aus Zatec von de Tscheschen - fuer 3,69 Dollars!
Die Atmosphaere eines Liquor Stores bewegt sich irgendwo zwischen einem Waffenhaendler und einem Delikatgeschaeft. Es darf ja nur der hier rein, der wirklich erwachsen ist und beinahe Verbotenes plant: Alkohol kaufen. Leise rieselt Rockmusik. So sieht auch der Verkaeufer hinterm Tresen aus. Ich habe ihm 17 Dollar fuer eine Flasche Shiraz aus der Region gegeben. Die ist aber schon leer. Wir haben sie in angeregter Runde im Kreise von Obama-Fans getrunken.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Mittwoch, 22. Oktober 2008
Livance
Heute Abend habe ich meine komplette deutsch-amerikanische Gastgeberfamilie gluecklich machen koennen: Ich habe Livanzen gemacht. Lecker war's - wie immer.
Der Kauf der Zutaten im gut sortierten Safeways Supermarkt war allerdings muehsam: ES GIBT HIER KEINEN QUARK! Stellt Euch vor, dass all die fanatischen Freunde von "Gartoffln un Guajk" hier verhungern wuerden! Habe statt Quark "Greek Yogurt" genommen. Schmeckt wie Quark und hat 0 Prozent Fett. Keine Ahnung, wie das gehen soll.
Ein bissl problematisch war noch das Finden von geeignetem Pflaumenmus-Ersatz, aber schliesslich wurden die Kesslers doch noch fuendig.
Viele meiner Schueler koennen derweil keine Pommes und Hamburger mehr sehen. Auch die Pizza in der Cafeteria ruehren sie nicht mehr an. Ich ernte neidische Blicke, wenn ich am Mittagstisch einen koestlich belegten Bagel oder gar eine Schnitte Schwarzbrot auspacke. (Kesslers wissen, wo's sowas gibt.)
Es ist uns allen unverstaendlich, wie sich amerikanische Jugendliche so monoton ernaehren lassen ohne in den Hungerstreik zu treten. Nun ja, es ist billiger als gesunde Ernaehrung. Und viele Amerikaner hier koennen sich gesunde Ernaehrung nicht leisten.
Und wer es nicht gewoehnt ist, dem schmecken auch keine Kartoffeln mit Quark.
Aber Livanzen... Hmm!

... link (0 Kommentare)   ... comment