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Dienstag, 21. Oktober 2008
Frau Palin auf Abschiedstour
langerth, 05:49h
Waehrend ich dies schreibe, tritt Sarah Palin hier um die Ecke im Footballstadion auf. Ich habe beschlossen, sie bewusst zu ignorieren und damit ein Zeichen zu setzen. Wo kommen wir hin, wenn tausende Leute zu ihrer Wahlkampfveranstaltung gehen -- einfach um sie "mal" zu sehen, und dann sieht es womoeglich so aus, als haetten die Republikaner riesigen Zuspruch? Und ich waere mitschuld!
Fuer die meisten Amerikaner ist sie durch die genialen Parodien von Tina Fey ein unfreiwilliger Comedy-Star -- und fuer manche tatsaechlich eine populaere Politikerin. Nein, ich bin nicht einmal neugierig.
Die Oeffentlichkeit hier in Grand Junction, repraesentiert von einem republikanischen Wurstblatt von einer Tageszeitung, freut sich freilich riesig ueber die ihr zu Teil werdende Ehre. Und wahrscheinlich kommen auch mehr Leute als vor einem Monat zu Obama. Aber wie gesagt: die meisten wollen sie ja einfach nur nochmal sehen, bevor sie ab 4. November wieder nach Alaska verschwindet.
Schade fuer die fabelhaften Comedians von Saturday Night Live.
Gut fuer die Welt.
http://www.nbc.com/Saturday_Night_Live/
Fuer die meisten Amerikaner ist sie durch die genialen Parodien von Tina Fey ein unfreiwilliger Comedy-Star -- und fuer manche tatsaechlich eine populaere Politikerin. Nein, ich bin nicht einmal neugierig.
Die Oeffentlichkeit hier in Grand Junction, repraesentiert von einem republikanischen Wurstblatt von einer Tageszeitung, freut sich freilich riesig ueber die ihr zu Teil werdende Ehre. Und wahrscheinlich kommen auch mehr Leute als vor einem Monat zu Obama. Aber wie gesagt: die meisten wollen sie ja einfach nur nochmal sehen, bevor sie ab 4. November wieder nach Alaska verschwindet.
Schade fuer die fabelhaften Comedians von Saturday Night Live.
Gut fuer die Welt.
http://www.nbc.com/Saturday_Night_Live/
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Montag, 20. Oktober 2008
Saaalt Lake!
langerth, 17:17h

Besichtigung eines Heiligtums: Sonntagmorgen, 19.10.
Faehrt man von Grand Junction auf der I 70 Richtung Westen, kommt man nach einer halben Stunde auf das Gebiet des Staates Utah, und die ohnehin schon karge Landschaft wird noch rauer. So koennte es auch irgendwann auf dem Mond aussehen, kurz nachdem wir mit seiner Besiedlung begonnen haben. Vielleicht mussten ja auch Sam und Frodo auf ihrem Weg zum Schicksalsberg hier durch. Das einzige Zeichen von Zivilisation sind die Strommasten und die Strasse, auf der man faehrt. Die schroffen Felsen der Book Cliffs thronen ueber dem breiten Tal des Colorado und des Green River. Es waechst auch kaum etwas. Erst ab der Ortschaft Price auf dem Highway 6 findet man wieder Baeume und Siedlungen. Nachdem man einen weiteren Gebirgszug durchquert hat, tut sich schliesslich ein riesiges breites Tal auf, welches einen nach Salt Lake City geleitet. Die gar nicht mal so grosse Stadt liegt - typisch amerikanisch - breit zersiedelt und majestaetisch vor dir. Du faehrst die I 15 nach Norden, an Provo vorbei, und eine halbe Stunde vor dem Ziel siehst Du links ein wunderschoenes Moebelhaus: IKEA!
"We are crazy about low prices" - Wir sind verrueckt nach kleinen Preisen titelt das globale Einrichtungshaus. Der Spruch "Wohnst Du noch oder lebst Du schon?" (oder andersrum?) haette in der Uebersetzung wohl nicht funktioniert. Wohnen und leben heisst beides "live". Do you still live or have you started living...? Na gut, waere vielleicht grammatisch reizvoll gewesen.

Jedenfalls faellt beim Betreten sofort auf, dass alles genauso ist, wie man's aus dem Saale-Park, oder Neefe-Park, oder Elbe-Park, oder... kennt. Gleiche Raumaufteilung, gleiche Produkte, gleiche Namen. Ich habe Billy und Ivar wiedergesehen!
Dass wir aber in Amerika sind, bemerkt man beim Eintritt in die Kuechenabteilung: grosse Kuehl- und Vorratsschraenke, hohe Esstische, anders geformte Wasserhaehne.
Das Restaurant bietet natuerlich Lachs und Koetbullar an - nur dass auf amerikanische Art noch zahlreiche Extras auf dem Teller Platz finden koennen: eine Kelle Kartoffelbrei, eine Scheibe fettiges Knoblauchbrot, noch ein paar Koettbullar. Und natuerlich jede Menge Refills fuer Getraenke.
Freunde von Old Europe kommen in Salt Lake aber auch noch anders auf ihre Kosten: Es gibt richtig guten Fussball zu sehen! Ich hatte das Glueck, just an dem Tag in der Stadt zu sein, als Real Salt Lake den FC Dallas im neuen Schmuckkaestchen von einem Stadion empfing. Wie wuerden sich die Zwickauer ueber so ein schoenes Stadion freuen! Es traegt den Namen seines Sponsors: Rio Tinto.

Ich war einer von 17.000 Zuschauern! Eine Fankultur muss sich natuerlich erst noch entwickeln. Der Kartenverkaeufer warnt zwar vor der Fankurve - der supporters section. Doch dort schwenken gerade mal 50 Jugendliche ihre Schals und Faehnchen. Sprechchoere gibt's noch keine. Ab und zu schallt es "Saaalt Lake, Saaalt Lake!" Der junge Mann hinter dem Zapfhahn, bei dem ich mir in der Pause ein Budweiser hole, hat wenig Ahnung von der Mannschaft. Er hat zwar gehoert, dass sie ziemlich gut sein sollen. Aber welchen Tabellenplatz Salt Lake gerade belegt, weiss er nicht. Schliesslich ist er ja neu hier. Die Zuschauer verstehen aber was vom Spiel. Es sind vorwiegend junge Maenner und Frauen, viele Kinder. Vierter ist ihre Mannschaft und kann mit einem Sieg in die Playoffs einziehen. Als ich mich als Deutscher oute, entschuldigen sie sich beinahe fuer das, was ich hier zu sehen bekomme. Muessen sie aber nicht! Das Spiel ist schnell und die Tore schoen herausgespielt.
Und Mitte der zweiten Halbzeit verkuendet der Stadionsprecher die Zuschauerzahl. Ansagen kommen uebrigens auch auf spanisch. Es sind auffallend viele Latinos im Stadion. Was nervt, sind die Werbeansagen mitten im Spiel: "Bla bla Versicherungen laesst Sie nicht im Stich! Kaufen Sie deshalb..." In eine platzt bloederweise das 2:1 fuer Salt Lake rein, sodass der Stadionsprecher gar nicht rechtzeitig "Goal!" schreien kann.
Nach dem Spiel gibt's Stau in den Strassen ums Stadion. Wie daheeme. Schoen!
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Samstag, 18. Oktober 2008
Sehnsucht nach der Williamsbirne
langerth, 06:36h
Jeden Freitag zur Happy Hour treffen sich ausgewanderte Deutsche im Rockslide Restaurant in Grand Junction. Man tauscht sich ueber Neuigkeiten aus und plant naechste Treffen - beim Bowling oder Kartenspiel. Oft sind die Deutschen schon seit vielen Jahren durch ihre Heirat mit einem amerikanischen Partner nicht mehr in der Heimat. Das Heimatgefuehl haben sie aber nicht verloren. Jetzt im Oktober denkt man schon zwei Monate voraus: Es wird wieder Weihnachten. Beneidet werden diejenigen, die das Fest in Deutschland verbringen werden. Von den Anderen bekommen sie eine Liste der Mitbringsel: Niveau-Creme, gute Schokolade, aber vor allem mal wieder einen richtig leckeren Obstler. Slibowitz gibt es wohl auch hier zu kaufen, doch einen richtigen Williams... Hmm... Zugegebermassen darf das gute Getraenk bei mir zu Hause in Lichtentanne auf keiner Feier fehlen. Vorzugsweise wird es eigens aus Suedtirol mitgebracht.
Politisches Thema Nr. 1 ist natuerlich die Wahl. Fuer McCain sind nur wenige, und die reden nicht drueber. Begeistert sind die Obama-Anhaenger. Doch an ihr Glueck glauben wollen sie noch nicht so recht. Was wenn die Umfragen doch alle schief liegen?
Ueber Frau Palin schuettelt man nur noch den Kopf. Ihre Kandidatur zeige einmal mehr, dass McCain zwar ein schlauer Politiker ist, aber keinesfalls ein intelligenter Mann: Er gehoerte zu den Schlechteren seiner Abschlussklasse, brachte waehrend seines Armeedienstes nicht nur ein Flugzeug zum Absturz, und dass gerade er in Gefangenschaft geraten konnte, sei ja wohl auch kein Wunder. Obama ist da von ganz anderem Intellekt.
Frau Palin kommt am naechsten Montagabend nach Grand Junction. Die Republikaner erhoffen sich den groessten Zuspruch, den jemals eine oeffentliche Veranstaltung in der Stadt gefunden hat. Die Demokraten freut's, dass zur gleichen Zeit die Denver Broncos Football spielen -- und sich die Joe Sixpacks lieber das im Fernsehen anschauen werden.
Obama wird gewinnen. Und dann feiern auch die Exil-Deutschen in Grand Junction. Hoffentlich haben sie genuegend Obstler.
Politisches Thema Nr. 1 ist natuerlich die Wahl. Fuer McCain sind nur wenige, und die reden nicht drueber. Begeistert sind die Obama-Anhaenger. Doch an ihr Glueck glauben wollen sie noch nicht so recht. Was wenn die Umfragen doch alle schief liegen?
Ueber Frau Palin schuettelt man nur noch den Kopf. Ihre Kandidatur zeige einmal mehr, dass McCain zwar ein schlauer Politiker ist, aber keinesfalls ein intelligenter Mann: Er gehoerte zu den Schlechteren seiner Abschlussklasse, brachte waehrend seines Armeedienstes nicht nur ein Flugzeug zum Absturz, und dass gerade er in Gefangenschaft geraten konnte, sei ja wohl auch kein Wunder. Obama ist da von ganz anderem Intellekt.
Frau Palin kommt am naechsten Montagabend nach Grand Junction. Die Republikaner erhoffen sich den groessten Zuspruch, den jemals eine oeffentliche Veranstaltung in der Stadt gefunden hat. Die Demokraten freut's, dass zur gleichen Zeit die Denver Broncos Football spielen -- und sich die Joe Sixpacks lieber das im Fernsehen anschauen werden.
Obama wird gewinnen. Und dann feiern auch die Exil-Deutschen in Grand Junction. Hoffentlich haben sie genuegend Obstler.
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