Montag, 27. Oktober 2008
Wahlsonntag


Mein Kollege Mark saβ heute Nachmittag ueber eine Stunde am Kuechentisch. Er hat gewaehlt.
Was unsereins so im Vorbeigehen in der Mittelschule in der Virchowstr. erledigt, ist fuer Waehler in Colorado dieses Jahr ein wirklicher Wahlmarathon. Sie stimmen nicht nur ueber den kuenftigen Praesidenten ab und die Direktmandate fuer Senat und Repraesentatenhaus in Washington, sondern auch ueber alle moeglichen Posten im Staate Colorado sowie Abgeordneten und Richtern in Kreis und Stadt. Und dann sind da noch die Zusatzartikel zur Verfassung von Colorado, die es den Waehlern besonders schwer machen. Anstatt es einfach bei Gesetzen zu belassen, wollen bestimmte Initiativen ihre Interessen in der Landesverfassung festschreiben lassen. Ein Artikel ist besonders heikel: Kommt der durch, gilt in Colorado eine befruchtete Eizelle bereits als legale Person. Wohlgemerkt, auch in einem Reagenzglas! Wenn das dann noch zu sprechen beginnt, wird Goethes Homunculus-Vision Realitaet.
In anderen Artikeln dreht sich's um die Freiheit, in bestimmten Berufen den Gewerkschaften nicht beitreten zu muessen (wusste gar nicht, dass das bisher hier in manchen Jobs tatsaechlich so war), um Steuererhoehungen und Quotenregelungen bei der Vergabe von Studienplaetzen.
Der Wahlzettel ("Ballot") ist daher drei Seiten lang, dreispaltig und kleingedruckt. Mein Kollege brauchte das mitgelieferte Beiheft um seine Wahl gewissenhaft zu treffen. Wie Joe der Klempner oder sein Freund Joe Sixpack diesen Wahlzettel ausfuellen koennen, ist mir ein Raetsel.
Jedenfalls nutzen vier von fuenf Waehlern in Colorado diese Moeglichkeit der fruehzeitigen Stimmabgabe ("early voting") und lassen sich ihren 'Ballot' per Post zuschicken. Am Wahltag selber darf man naemlich nur 20 min in der Wahlkabine bleiben. Aber wie gesagt, fuer viele Buerger war bestimmt schon heute Wahlsonntag.
McCain und Obama tingeln derweil weiter durchs Land. Obama war in Denver und es erschienen so viele Leute wie letztmals 1993 beim Besuch Papst Johannes Pauls II.


Der Wahlzettel, Seite 1.
Wie man sieht: maschinenlesbar!
Na wenn das mal gut geht...


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