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Montag, 20. Oktober 2008
Saaalt Lake!
langerth, 17:17h

Besichtigung eines Heiligtums: Sonntagmorgen, 19.10.
Faehrt man von Grand Junction auf der I 70 Richtung Westen, kommt man nach einer halben Stunde auf das Gebiet des Staates Utah, und die ohnehin schon karge Landschaft wird noch rauer. So koennte es auch irgendwann auf dem Mond aussehen, kurz nachdem wir mit seiner Besiedlung begonnen haben. Vielleicht mussten ja auch Sam und Frodo auf ihrem Weg zum Schicksalsberg hier durch. Das einzige Zeichen von Zivilisation sind die Strommasten und die Strasse, auf der man faehrt. Die schroffen Felsen der Book Cliffs thronen ueber dem breiten Tal des Colorado und des Green River. Es waechst auch kaum etwas. Erst ab der Ortschaft Price auf dem Highway 6 findet man wieder Baeume und Siedlungen. Nachdem man einen weiteren Gebirgszug durchquert hat, tut sich schliesslich ein riesiges breites Tal auf, welches einen nach Salt Lake City geleitet. Die gar nicht mal so grosse Stadt liegt - typisch amerikanisch - breit zersiedelt und majestaetisch vor dir. Du faehrst die I 15 nach Norden, an Provo vorbei, und eine halbe Stunde vor dem Ziel siehst Du links ein wunderschoenes Moebelhaus: IKEA!
"We are crazy about low prices" - Wir sind verrueckt nach kleinen Preisen titelt das globale Einrichtungshaus. Der Spruch "Wohnst Du noch oder lebst Du schon?" (oder andersrum?) haette in der Uebersetzung wohl nicht funktioniert. Wohnen und leben heisst beides "live". Do you still live or have you started living...? Na gut, waere vielleicht grammatisch reizvoll gewesen.

Jedenfalls faellt beim Betreten sofort auf, dass alles genauso ist, wie man's aus dem Saale-Park, oder Neefe-Park, oder Elbe-Park, oder... kennt. Gleiche Raumaufteilung, gleiche Produkte, gleiche Namen. Ich habe Billy und Ivar wiedergesehen!
Dass wir aber in Amerika sind, bemerkt man beim Eintritt in die Kuechenabteilung: grosse Kuehl- und Vorratsschraenke, hohe Esstische, anders geformte Wasserhaehne.
Das Restaurant bietet natuerlich Lachs und Koetbullar an - nur dass auf amerikanische Art noch zahlreiche Extras auf dem Teller Platz finden koennen: eine Kelle Kartoffelbrei, eine Scheibe fettiges Knoblauchbrot, noch ein paar Koettbullar. Und natuerlich jede Menge Refills fuer Getraenke.
Freunde von Old Europe kommen in Salt Lake aber auch noch anders auf ihre Kosten: Es gibt richtig guten Fussball zu sehen! Ich hatte das Glueck, just an dem Tag in der Stadt zu sein, als Real Salt Lake den FC Dallas im neuen Schmuckkaestchen von einem Stadion empfing. Wie wuerden sich die Zwickauer ueber so ein schoenes Stadion freuen! Es traegt den Namen seines Sponsors: Rio Tinto.

Ich war einer von 17.000 Zuschauern! Eine Fankultur muss sich natuerlich erst noch entwickeln. Der Kartenverkaeufer warnt zwar vor der Fankurve - der supporters section. Doch dort schwenken gerade mal 50 Jugendliche ihre Schals und Faehnchen. Sprechchoere gibt's noch keine. Ab und zu schallt es "Saaalt Lake, Saaalt Lake!" Der junge Mann hinter dem Zapfhahn, bei dem ich mir in der Pause ein Budweiser hole, hat wenig Ahnung von der Mannschaft. Er hat zwar gehoert, dass sie ziemlich gut sein sollen. Aber welchen Tabellenplatz Salt Lake gerade belegt, weiss er nicht. Schliesslich ist er ja neu hier. Die Zuschauer verstehen aber was vom Spiel. Es sind vorwiegend junge Maenner und Frauen, viele Kinder. Vierter ist ihre Mannschaft und kann mit einem Sieg in die Playoffs einziehen. Als ich mich als Deutscher oute, entschuldigen sie sich beinahe fuer das, was ich hier zu sehen bekomme. Muessen sie aber nicht! Das Spiel ist schnell und die Tore schoen herausgespielt.
Und Mitte der zweiten Halbzeit verkuendet der Stadionsprecher die Zuschauerzahl. Ansagen kommen uebrigens auch auf spanisch. Es sind auffallend viele Latinos im Stadion. Was nervt, sind die Werbeansagen mitten im Spiel: "Bla bla Versicherungen laesst Sie nicht im Stich! Kaufen Sie deshalb..." In eine platzt bloederweise das 2:1 fuer Salt Lake rein, sodass der Stadionsprecher gar nicht rechtzeitig "Goal!" schreien kann.
Nach dem Spiel gibt's Stau in den Strassen ums Stadion. Wie daheeme. Schoen!
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