Samstag, 1. November 2008
Eine neue Welt
langerth, 06:39h
Halloween hat Spaß gemacht! Dadurch, dass es an einem Freitag lag und das Wetter hier ausgesprochen mild war, wurde es ein richtiges Bilderbuch-Halloween: Am Nachmittag haben wir noch schnell zwei Kuerbisse bearbeitet. Meiner sieht ganz gut aus und fand seinen Platz vor der Eingangstuer. Danach gab's ein Sueppchen fuer die ganze Familie, worauf der Kleine mit seinem Freund zum Trick-or-Treaten losgeschickt wurde. Danach schmissen sich auch die Erwachsenen in ihre Kostueme und wir gingen zur Party einer Kollegin. Dort war bereits ihr Freund als Osama "Bin Hidin" verkleidet, andere als Footballspieler, Cowboy oder pleitegegangener Investmentbanker. Das kleine Häuschen befand sich in perfekter Trick-or-Treat-Lage, sodass zwischen 7 und 8 putzig verkleidete Kinder im Akkord erschienen. Die Tuerglocke ging unentwegt. (Ich glaub uebrigens, alle Tuerglocken in Amerika klingen gleich - naemlich mit einem traditionellen Ding Dong.) Zwischenzeitlich uebernahm ich, der Jedi-Ritter mit seinem schwarzen Umhang, den Part des Candy-Verteilers. Manche Kinder waren schon mit einem Lolli zufrieden, andere waren eher wählerisch und suchten sich aus dem großen Vorrat das beste aus. Die Eltern standen in Sichtweite am Straßenrand und winkten freundlich zurueck, wenn ich mit den Kindern scherzte und ein "Happy Halloween" auch zu ihnen rueber rief. Allerdings musste ich bei den ganz Kleinen noch lernen: Als ich einem winzigen Was-auch-immer-Monster die fuer das Alter falsche Sueßigkeit gab, antwortete mir die daneben stehende Mutter "Ich wuerde ihm das noch nicht geben. Er ist ja erst zwei." - und fischte sich das passende Kaubonbon heraus, nicht ohne sich noch einen Lutscher fuer ihren Einjährigen zu angeln, der im Kinderwagen abgeparkt war. Happy Halloween!
Auch auf der Party wurde natuerlich die Wahl besprochen. Ich lernte einen interessanten Menschen kennen, der Anfang der 70er noch per Einberufungsbefehl nach Vietnam musste, dort so schlimm verwundet wurde, dass er wieder zusammengeflickt werden musste und monatelang in Militärkrankenhäusern lag. Heute ist er schwerbehindert, trägt einen Herzschrittmacher, der konstant 80 schlägt - und sehnt sich nach einem Neuanfang mit Obama. Seine Stimmung ist stellvertretend fuer die amerikanische Mehrheit: Keiner kann sich erinnern, dass jemals so viele Hoffnungen in einen neuen Praesidenten gesetzt wurden wie dieses Mal. Am Dienstag wird man hier sagen «Es ist, als habe jemand die Fenster aufgestoßen … nach Dumpfheit und Mief, Phrasengewäsch, bürokratischer Willkür und Blindheit.» Das sagte Stefan Heym am 4. November 1989. Ähnlich ist die Situation heute: Hier ist ein Land mit riesigen Problemen und ebenso grossen Hoffnungen.
Die Neue Welt hat die Chance, wieder eine neue Welt zu werden.
Ich fliege derweil morgen zurueck in die Alte Welt, nach der man von hier mehr als nur neidisch schaut: sei es wegen des Reichtums an Kultur und Geschichte, der Weltoffenheit und Vielfalt, des Sozialstaates, des Mehr-als-nur-Zweiparteiensystems, der Frauen, die auch mit dreißig noch schlank sind, der schnellen Autobahnen, des besseren Bieres ... oder einfach nur wegen unserer Schokolade.
Auch auf der Party wurde natuerlich die Wahl besprochen. Ich lernte einen interessanten Menschen kennen, der Anfang der 70er noch per Einberufungsbefehl nach Vietnam musste, dort so schlimm verwundet wurde, dass er wieder zusammengeflickt werden musste und monatelang in Militärkrankenhäusern lag. Heute ist er schwerbehindert, trägt einen Herzschrittmacher, der konstant 80 schlägt - und sehnt sich nach einem Neuanfang mit Obama. Seine Stimmung ist stellvertretend fuer die amerikanische Mehrheit: Keiner kann sich erinnern, dass jemals so viele Hoffnungen in einen neuen Praesidenten gesetzt wurden wie dieses Mal. Am Dienstag wird man hier sagen «Es ist, als habe jemand die Fenster aufgestoßen … nach Dumpfheit und Mief, Phrasengewäsch, bürokratischer Willkür und Blindheit.» Das sagte Stefan Heym am 4. November 1989. Ähnlich ist die Situation heute: Hier ist ein Land mit riesigen Problemen und ebenso grossen Hoffnungen.
Die Neue Welt hat die Chance, wieder eine neue Welt zu werden.
Ich fliege derweil morgen zurueck in die Alte Welt, nach der man von hier mehr als nur neidisch schaut: sei es wegen des Reichtums an Kultur und Geschichte, der Weltoffenheit und Vielfalt, des Sozialstaates, des Mehr-als-nur-Zweiparteiensystems, der Frauen, die auch mit dreißig noch schlank sind, der schnellen Autobahnen, des besseren Bieres ... oder einfach nur wegen unserer Schokolade.
... link (0 Kommentare) ... comment
Freitag, 31. Oktober 2008
Baden gehn vor Halloween
langerth, 06:21h
Heut war's schoen! Wirklich. Unser letzter Ausflug fuehrte uns wiederum in die richtigen Berge (die mit den Ghosttowns) nach Ouray. Nach Betrachtung eines Wasserfalls, der durch eine riesige Felsspalte tobt, als teilte er die Welt, matteten wir im Thermalbad mal so richtig ab. Diverse deutsche "Rentnerwaeschen" in Schlema und Bad Dueben lassen grueßen. Unsere heute war jedoch ein reines Freibad - nur eben mit verschieden warmen Becken. Und es waren kaum Rentner da.
Jedenfalls: Herrlich! Strahlend blauer Himmel, die Berge, nur der dekorative Schnee auf den Gipfeln hat gefehlt.

Na sieh an: Heut mal ohne Modeschals!
Wieder in der High School zurueck, durfte unsere deutsche Gruppe bei der "Trick or treat street" einen eigenen Raum ausgestalten und betreuen. Das Konzept ist genial: Alljaehrlich am Tag vor Halloween (morgen!) laedt der Schuelerrat alle moeglichen kleinen Kinder in die Schule ein und gestaltet dort einen Flur so aus, dass die lieben Kleinen zwei Stunden lang bespaßt werden und jede Menge Sueßigkeiten abfassen koennen. Gleichzeitig ist ein bissl wie Tag der offenen Tuer. Alle Mitwirkenden tragen selbstverstaendlich Kostueme.
Wir Deutschen durften uns im Fundus des Schuelertheaters bedienen. Als Spiel in unserem Raum gab's Topfschlagen. Die kleinen Besucher im Alter von 1 - 11 standen brav Schlange. Mein schwarzer Umhang und die straehnig gekaemmten Haare machten mich bei den einen zu Harry Potters Lehrer Snape, andere meinten, ich sei ein Jedi-Ritter.
Der Andrang war ueberwaeltigend. Geschaetzte 800 Leute waren da. Jedenfalls wurde deutlich, was von jungen Eltern zu Halloween abverlangt wird: schnell heim von der Arbeit, Kinder in die Kostueme und dann lostingeln. Ziel ist es immer, so viel wie moeglich Sueßigkeiten (Candy) zu kriegen. Hauptsache sueß, feine Schokolade is nich. In den Supermaerkten gibt's seit Wochen Candy in Riesentueten, die wie die Kamelle beim Karneval in Koeln einfach verschleudert werden, was das Zeug haelt.
Man badet also in Candy!
Nach dieser doch noch gekriegten Kurve zum Eingangsthema von heute wuensche ich eine gute Nacht und meinen Lesern einen geruhsamen Reformationstag!
Hier werden morgen Nachmittag Horden von Hexen, Teufelchen, Horrorfilmfiguren und Außerirdischen in Begleitung ihrer Eltern oder groeßeren Geschwister durch die Straßen ziehen.
"Trick or treat!"
Jedenfalls: Herrlich! Strahlend blauer Himmel, die Berge, nur der dekorative Schnee auf den Gipfeln hat gefehlt.

Na sieh an: Heut mal ohne Modeschals!
Wieder in der High School zurueck, durfte unsere deutsche Gruppe bei der "Trick or treat street" einen eigenen Raum ausgestalten und betreuen. Das Konzept ist genial: Alljaehrlich am Tag vor Halloween (morgen!) laedt der Schuelerrat alle moeglichen kleinen Kinder in die Schule ein und gestaltet dort einen Flur so aus, dass die lieben Kleinen zwei Stunden lang bespaßt werden und jede Menge Sueßigkeiten abfassen koennen. Gleichzeitig ist ein bissl wie Tag der offenen Tuer. Alle Mitwirkenden tragen selbstverstaendlich Kostueme.
Wir Deutschen durften uns im Fundus des Schuelertheaters bedienen. Als Spiel in unserem Raum gab's Topfschlagen. Die kleinen Besucher im Alter von 1 - 11 standen brav Schlange. Mein schwarzer Umhang und die straehnig gekaemmten Haare machten mich bei den einen zu Harry Potters Lehrer Snape, andere meinten, ich sei ein Jedi-Ritter.
Der Andrang war ueberwaeltigend. Geschaetzte 800 Leute waren da. Jedenfalls wurde deutlich, was von jungen Eltern zu Halloween abverlangt wird: schnell heim von der Arbeit, Kinder in die Kostueme und dann lostingeln. Ziel ist es immer, so viel wie moeglich Sueßigkeiten (Candy) zu kriegen. Hauptsache sueß, feine Schokolade is nich. In den Supermaerkten gibt's seit Wochen Candy in Riesentueten, die wie die Kamelle beim Karneval in Koeln einfach verschleudert werden, was das Zeug haelt.
Man badet also in Candy!
Nach dieser doch noch gekriegten Kurve zum Eingangsthema von heute wuensche ich eine gute Nacht und meinen Lesern einen geruhsamen Reformationstag!
Hier werden morgen Nachmittag Horden von Hexen, Teufelchen, Horrorfilmfiguren und Außerirdischen in Begleitung ihrer Eltern oder groeßeren Geschwister durch die Straßen ziehen.
"Trick or treat!"
... link (0 Kommentare) ... comment
Donnerstag, 30. Oktober 2008
Ein schöner Tag
langerth, 06:00h

...war heute. Für uns, weil es rüber nach Utah ging (siehe Foto), für die Fans der Philadelphia Phillis, weil sie Punkt 20 Uhr Baseball-Meister wurden und für die Fans von Obama, weil er heut Abend auf allen wichtigen Fernsehkanaelen eine halbe Stunde am Stück Werbung machen durfte. Das Geld hat er ja und wollte es eben sinnvoll ausgeben. Für die Phillis freut es mich, weil sie in der 126. Saison erst zum zweiten Mal Champion geworden sind - das waere so, als ob Schalke nun endlich mal wieder Meister würde -und weil sie die Besten in einem Spiel sind, von dessen Regeln ich keine Ahnung habe. Ich war nur erstaunt, dass ein Wurf eines Spielers, den sein Mannschaftskamerad faengt, weil der mit der Keule aus der anderen Mannschaft ihn nicht getroffen hat, alles entscheidend war und nun eine ganze Region in einen Freudentaumel versetzt hat.
Die bizarren Felsenformationen der Arches hab ich dagegen still genossen und Fotos geschossen. Freilich hab ich schon welche von vor zwei Jahren, als ich zweimal da war. Und das ist ja auch das Schoene: an einen Ort zurueck zu kommen, den man mag. Statistisch gesehen war ich in den letzten beiden Jahren somit haeufiger dort als am Kreidefelsen und im Pfossental. Letzteres fuehrt allerdings das Ranking meiner beliebtesten Orte auf der Welt weiter an, weil es weder im Arches Park noch im Nationalpark Jasmund bewirtschaftete Almen mit Freisitz gibt.
Den Schuelern hat's in Utah auch gefallen. Nach der Aussicht am "Dead Horse Point" (siehe Foto oben) hatten sie sich dann aber doch satt gesehen -- und wollten auch nicht mehr stundenlang vor meiner Kamera posieren.
Nach gerade Mal zwei Stunden waren wir wieder in Grand Junction. Schön war's.

Na aber! Dass ein solcher Felsen immer noch
unverhuellt da stehen darf... Alles Natur eben ;)
... link (0 Kommentare) ... comment
... older stories